Juwel Patagoniens – Torres del Paine Nationalpark

Samstag, 17. Januar 2026

Heute verlassen wir El Chaltén. Die letzten drei Tage sind wettertechnisch zwar nicht die allerbesten, aber wir erwischen immer wieder gute Zeitfenster für wunderschöne Wanderungen. Diese haben einen festen Platz in unseren Herzen sicher – auch wenn wir uns einig sind: „Nie wieder den letzten Kilometer der Laguna de los Tres!“
Nach dem Frühstück und dem Check-out um 10:00 Uhr warten wir noch anderthalb Stunden am Busterminal, bis unser Bus nach El Calafate mit etwas Verspätung abfährt. Schon nach wenigen Minuten schlafen wir beide ein, da die Bussitze einfach extrem bequem sind. Kurz nach 14:00 Uhr kommen wir in El Calafate an und steuern direkt das nahegelegene Hostel „Folk“ an. Es liegt nur zwei Blocks vom Terminal entfernt – der ideale Ausgangspunkt, da unser Bus nach Chile morgen bereits um 08:00 Uhr startet.
Das Hostel ist spitze: Es gibt stabile Betten, sichere Gitterboxen für die Rucksäcke, eine große, saubere Küche und einen sonnengefluteten Innenhof. Hier lässt es sich definitiv aushalten. Einziger Nachteil ist die Lage im oberen Teil der Stadt; für den Weg ins Zentrum zu den Restaurants und Supermärkten planen wir jeweils 15 bis 20 Minuten Fußweg ein.
Alina legt sich direkt für eine Pause hin, während Steeven am Laptop die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren lässt. Am späteren Nachmittag spazieren wir in die Innenstadt, um Lebensmittel und Wein zu besorgen. Das Abendessen – zur Abwechslung mal keine Nudeln mit Tomatensauce – genießen wir in vollen Zügen. Die Flasche Wein schmeckt uns so gut, dass Alina noch eine zweite holt, die wir beim Football-Schauen leeren. Alina verschwindet kurz vor Mitternacht im Bett, während Steeven noch das zweite Spiel zu Ende schaut.

Sonntag, 18. Januar 2026

Um 08:00 Uhr geht es mit dem Bus Richtung Puerto Natales. Die Fahrt dauert inklusive des spannenden Grenzübergangs etwa sechs Stunden. An der Grenze ist absolute Vorsicht geboten: Früchte, Fleisch oder Nüsse dürfen auf keinen Fall mitgenommen werden, da die Beamten hier keinen Spaß verstehen. Auch bei allen anderen Lebensmitteln gilt: Unbedingt deklarieren und die Beamten entscheiden lassen, ob sie okay sind, sonst drohen saftige Strafen.
Nachdem wir im Hostel „Last Hope“ eingecheckt – das nur 15 Minuten Fußweg vom Terminal entfernt liegt – und den super coolen Gastgeber Diego kennengelernt haben, führt uns der Weg direkt zur Autovermietung. Für die nächsten drei Tage haben wir einen Pickup-Truck gebucht, um den Nationalpark Torres del Paine flexibel zu erkunden.
Das Hostel ist extrem gemütlich. Da Diego selbst hier wohnt, ist es mit allem eingerichtet, was man braucht – inklusive eines großen Fernsehers und NFL Gamepass, um die Patriots zu schauen. Bevor wir uns dem Sport widmen, gehen wir jedoch erst einmal ausgiebig einkaufen, damit wir für die nächsten Tage im Nationalpark genug Verpflegung haben. Zurück im Hostel fragen wir nach einer SIM-Karte und erfahren, dass es diese an einem kleinen Stand vor dem Supermarkt gibt. Also laufen wir noch einmal los und besorgen uns die Karte, was reibungslos klappt.
Den Abend lassen wir ruhig ausklingen: Wir kochen uns Reis mit Zwiebeln und Karotten und schauen anschließend zusammen mit drei Amerikanern und Diego Football. Um Punkt 23:00 Uhr geht schließlich das Licht aus und alle ziehen sich auf ihre Zimmer zurück.

Montag, 19. Januar 2026

Da die Wettervorhersage für heute eher durchwachsen ist, stehen wir bereits um 07:00 Uhr auf, um die Lage zu prüfen und unseren Aufbruch zu planen. Beim Frühstück regnet es zwar noch, aber da Besserung in Sicht ist, richten wir in Ruhe unsere Sandwiches und machen uns gegen 09:30 Uhr auf den Weg in Richtung Cueva del Milodón. Schon nach einer knappen halben Stunde erreichen wir die Anlage und werden auf dem Pfad zur großen Höhle von einem riesigen, kräftigen Regenbogen begrüßt – ein einfach wunderschöner Anblick.
Nach der Besichtigung der ersten Höhle geht es zurück zum Eingang. Von dort führt ein sehr abenteuerlicher Weg zur zweiten und dritten Höhle, auf dem unser Pickup-Truck direkt zeigen kann, was in ihm steckt. Danach setzen wir unsere Fahrt in Richtung des südwestlichen Eingangs des Torres del Paine Nationalparks fort. Kurze Zeit später kündigt ein Schild das Ende der befestigten Straße an: Ab hier gibt es kaum noch Teer, sondern fast nur noch Schotter. Falls doch mal Asphalt auftaucht, ist dieser mit Schlaglöchern übersät, die man fast als Babypool nutzen könnte.
Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir den Eingang (Portería y Guardería Serrano) und checken ein, indem wir unseren Nationalpark-Zutritt vorzeigen. Unser Ziel ist der Grey Glacier. Dort unternehmen wir eine etwa 1,5-stündige Wanderung. Während der Weg anfangs noch windgeschützt durch Bäume führt, trifft uns im Flussbett der extreme Wind. Wir laufen eine ganze Weile ungeschützt über eine Kiesdüne, doch der Ausblick auf den Fluss, den See und den Gletscher entschädigt für jede Böe. Wer bis zum Ende läuft, genießt einen tollen Blick auf das Eis. Dort startet auch ein Rundweg auf einer kleinen Insel, der zu einem Mirador mit noch besserer Sicht auf den Gletscher führt.
Anschließend geht es zurück zum Parkplatz und weiter in Richtung Osten. Wir wollen heute eine große Runde durch den Park drehen, da die Wettervorhersage für die nächsten Tage noch besser aussieht. Über die Schotterpisten geht es mit kleineren und größeren Drifts die kurvigen Wege entlang. In kurzen Abständen folgen immer wieder Aussichtspunkte, die wir für Stopps nutzen, um die Natur zu bewundern. Einen besonders beeindruckenden Halt legen wir am Mirador Salto Grande ein. Der Wind am großen Wasserfall ist zwar extrem, aber die gewaltigen Wassermassen sind einfach faszinierend.
Schließlich verlassen wir den Nationalpark durch den östlichen Zugang und genießen auch auf der Rückfahrt die unglaubliche Umgebung. Wegen des späteren Starts kommen wir erst recht spät zurück im Hostel an, kochen uns noch etwas zu essen und freuen uns dann nur noch auf unser Bett.

Dienstag, 20. Januar 2026

Nach einer erholsamen Nacht stehen wir um 08:00 Uhr auf, frühstücken im Hostel und machen uns erneut über den südwestlichen Eingang auf den Weg in den Nationalpark. Heute biegen wir nach einem kurzen Stopp an der Puente Weber – die uns natürlich wieder einen tollen Ausblick beschert – direkt in Richtung Osten ab. Eine erste geplante Wanderung brechen wir jedoch nach wenigen hundert Metern ab, da uns der zu erwartende Ausblick den Zeitaufwand von zwei Stunden nicht wert zu sein scheint.
Stattdessen fahren wir am Río Pehoé entlang zum Hotel Explora. Dort erkunden wir die Stege in den Hügeln, genießen die Sicht auf den Salto Chico und steigen zum höchsten Punkt auf, um den Blick über den Lago Pehoé schweifen zu lassen. Danach zieht es uns zum Mirador Cóndor. Da dieser recht hoch auf dem Berg liegt, starten wir eine kleine Wanderung. Schon zu Beginn ist es sehr windig, doch als wir die Senke zwischen zwei Gipfeln durchqueren, bläst der Wind so heftig, dass wir uns teilweise hinknien müssen, um nicht von den starken Böen umgeworfen zu werden. Steeven muss sogar seine Sonnenbrille sichern, da sie fast den Abflug macht. Vorsichtig bewältigen wir diesen Abschnitt und steigen den letzten Rest bis zum Gipfel auf – der Blick auf das Tal, den See und die Berge ist einfach unglaublich. Auf dem Rückweg peitschen uns die Böen nun von vorne entgegen, was die Sache nicht angenehmer macht.
Unser nächster Halt ist die Hostería Pehoé, ein Hotel auf einer kleinen Insel, das über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist und ein tolles Panorama bietet. Danach fahren wir noch einmal zum Salto Grande. Auf dem Parkplatz sorgt ein liegengebliebenes Auto für Chaos, und wir beobachten fasziniert, wie die großen Busse offroad-tauglich um das Hindernis herumrangieren. Da der Wind heute noch heftiger ist als gestern und es zu regnen beginnt, streichen wir die Wanderung zum Mirador Cuernos und erkunden stattdessen weitere Wege mit dem Auto.
Wir fahren Richtung Laguna Amarga und weiter zur Laguna Azul. Dabei entdecken wir die Cascada Paine, einen wunderschönen Wasserfall im Río Paine, der uns sogar noch besser gefällt als der Salto Grande. Auf dem Weg sehen wir ein verunglücktes Auto, aber zum Glück ist Hilfe bereits unterwegs. Zurück in Puerto Natales erledigen wir unsere Einkäufe, kochen für morgen vor und buchen beim Bus-Sur-Büro unsere Tickets nach Punta Arenas. Zum krönenden Abschluss gönnen wir uns eine King Crab Empanada bei Patagonia Black Lamb – ein Tipp vom Hostel, der Alina absolut glücklich macht. Nach dem Schmieren der Sandwiches geht es gegen halb 12 ins Bett, da der Wecker morgen bereits um 05:00 Uhr klingelt.

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