Die traumhafte aber harte Wanderung des Base Torre

Mittwoch, 21. Januar 2026

Aufbruch zu den Granitnadeln
Es ist 5:00 Uhr morgens im Hostel Last Hope in Puerto Natales. Während die Stadt noch schläft, machen wir uns bereit für eine der legendärsten Wanderungen Chiles: Rund 22 Kilometer liegen vor uns, das Ziel ist der Mirador Base de las Torres. Unser Plan ist simpel: Wir wollen oben sein, bevor die großen Touristenbusse die Pfade fluten.
Bereits um 5:30 Uhr sitzen wir im Auto und steuern die Portería y Guardería Laguna Amarga an. Nach dem Check-in im Nationalpark erreichen wir den Startpunkt. Als wir gegen 7:15 Uhr die Rucksäcke schultern und loslaufen, ist es noch empfindlich kalt, doch wir wissen genau, dass uns der Aufstieg früh genug einheizen wird.

Der Aufstieg: Windstille am Paso del Viento
Die ersten 1,5 Kilometer führen flach in Richtung Hotel Las Torres. Es gäbe zwar einen Shuttle, aber wir nutzen die Strecke lieber zum Einlaufen. Über eine schmale Brücke, die nur von zwei Personen gleichzeitig genutzt werden darf, betreten wir den eigentlichen Trek. Sofort geht es zur Sache: Steile Hänge und loses Geröll fordern uns direkt zu Beginn.
Wir erreichen den berüchtigten Paso del Viento. Der Name ist heute zum Glück nicht Programm, denn es herrscht kaum Wind. Dennoch kommen bei Alina Erinnerungen an ihren Unfall auf Galapagos hoch – das ungute Gefühl von rutschigem Untergrund sitzt noch tief. Doch dieses Mal geht alles gut; Tritt für Tritt arbeiten wir uns den Hang hinauf.
Nach etwa 6,5 Kilometern erreichen wir das Refugio Chileno. Die Hütte ist der perfekte Ort für eine kurze Rast. Wir snacken eine Kleinigkeit, füllen die Wasserflaschen auf und genießen den kurzen Luxus einer ordentlichen Toilette, bevor es weitergeht.

Das Finale über die Granit-Moräne
Der nächste Abschnitt führt uns rund 3,5 Kilometer lang moderat bergauf durch schattige Wälder und über kleine Brücken. Es zieht sich ein wenig, bis wir den Fuß des finalen Aufstiegs erreichen. Wir wissen, was uns erwartet – ein steiles Stück, ähnlich anstrengend wie der Weg zur Laguna de los Tres in El Chaltén.
Bevor wir die letzten Reserven mobilisieren, legen wir eine Pause ein. Die Natur belohnt uns sofort: Ein Falke (oder Adler) landet ganz in unserer Nähe – ein magischer Moment. Dann folgt die Qual: Erst steil durch den Wald, dann der finale Kraftakt über die gewaltige Granit-Moräne. Wir klettern über riesige Felsbrocken und loses Geröll. Es ist anstrengend, aber überraschenderweise weniger erschöpfend als in El Chaltén.

Ein Anblick wie gemalt
Gegen 11:00 Uhr haben wir es geschafft. Wir stehen am Ufer der Lagune, direkt vor den majestätischen Felstürmen. Der Anblick ist überwältigend. Da wir so früh gestartet sind, teilen wir uns diesen Ort nur mit wenigen anderen. Der Himmel ist strahlend blau, es ist windstill und angenehm warm. Wir suchen uns einen Platz in der Sonne, essen in aller Ruhe und lassen das Panorama auf uns wirken.
Nach und nach treffen die Massen aus den Tourbussen ein. An den markanten Fotospots bilden sich sofort Schlangen. Wir beobachten das Treiben entspannt aus der Ferne und sind froh über unseren frühen Start. Nach 1,5 Stunden purer Idylle machen wir uns an den Abstieg, um dem größten Trubel erneut zuvorzukommen.

Der Weg zurück und ein gemütlicher Ausklang
Im Steilstück müssen wir oft stoppen, um den entgegenkommenden Gruppen Platz zu machen. Sobald wir diesen Teil hinter uns haben, wird es ruhig – ab 15:00 Uhr darf niemand mehr den finalen Aufstieg beginnen. Der Rückweg ist ein Wechselspiel aus Bergab-Passagen und kleinen Gegenanstiegen. Besonders das letzte Stück geht ordentlich in die Knie, doch gegen 16:00 Uhr erreichen wir wohlbehalten, etwas erschöpft und vor allem glücklich das Auto.
Für die Rückfahrt wählen wir die längere Route quer durch den Nationalpark. Die Entscheidung ist goldrichtig: Die Landschaft aus dieser Perspektive ist schlicht traumhaft.
Zurück in Puerto Natales tanken wir das Auto voll und haben Glück mit einem Parkplatz direkt am Hostel. Der Abend könnte nicht entspannter sein: Das vorgekochte Essen wandert in die Mikrowelle und wir testen das Highlight des Hostels – eine brandneue, bequeme Couch, die das durchgesessene Vorgängermodell ersetzt hat. Ein echtes Upgrade! Um 23:00 Uhr löschen wir das Licht, erschöpft, aber glücklich.

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