Bis ans Ende der Welt – Ushuaia

Donnerstag, 22. Januar 2026

Heute lassen wir es entspannt angehen, schlafen aus und frühstücken erst kurz vor 10 Uhr. Da unser Bus ins drei Stunden entfernte Punta Arenas erst nachmittags geht, bleiben wir noch im Hostel. Gegen Mittag erreicht uns jedoch eine Hiobsbotschaft: Der für Samstag gebuchte Bus nach Ushuaia fällt aus. Nach kurzer Umplanung entscheiden wir uns, bereits Freitagfrüh um 6 Uhr zu fahren. Das bedeutet zwar einen Tag mehr in Ushuaia, aber auch eine Nacht weniger in Punta Arenas, die wir eigentlich nicht mehr stornieren können.
Etwas frustriert holen wir uns bei Patagonia Black Lamb zwei Empanadas – King Crab und Guanaco. Das Guanaco-Fleisch probieren wir zum ersten Mal; es schmeckt ähnlich wie Rind und ist wirklich lecker. Um 14:30 Uhr verabschieden wir uns von unserem herzlichen Gastgeber Diego und nehmen für die kurze Strecke zum Busterminal ein Uber, um unsere Beine nach den Wanderungen zu schonen. Kaum im Bus, bemerken wir den ersten Verlust der Reise: Unsere faltbare Dose steht noch im Hostel-Kühlschrank.
Die Fahrt verläuft angenehm, doch Punta Arenas wirkt bei der Ankunft eher wie eine graue Industriestadt und wenig einladend im Vergleich zum gemütlichen Puerto Natales. Um sicherzugehen, buchen wir am Terminal direkt vor Ort unsere Rückfahrt-Tickets von Ushuaia. Unser Hostel Hospedaje Magallanes liegt zum Glück ganz nah. Die Inhaberin ist unglaublich kulant und berechnet uns trotz der Kurzfristigkeit nur die eine Nacht, die wir tatsächlich bleiben – die befürchteten 50 EUR Verlust sind also vom Tisch. Ein witziges Detail: Alle Hinweisschilder im Haus sind auf Englisch und Deutsch, da der Ehemann der Besitzerin Deutscher ist.
Nachdem wir kurz den Abfahrtsort für morgen früh gecheckt haben, zieht es uns zum Abendessen ins Restaurant La Luna. Die Herzlichkeit und das Ambiente sind fantastisch, das Essen – Fisch und Steak – eine absolute 11 von 10. Mit 45 EUR für alles inklusive Getränken ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für Patagonien top. Mit vollem Magen geht es zurück ins Hostel, wo wir nur noch schnell die Taschen packen, bevor um 4:45 Uhr schon wieder der Wecker klingelt.

Freitag, 23. Januar 2026

Um 4:45 Uhr stehen wir auf und genießen den Luxus eines frühen Frühstücks, das die Gastgeber bereits am Vorabend liebevoll vorbereitet haben. Dann geht es direkt zur Station von Marga Taqsa. Die für 6:00 Uhr geplante Abfahrt verzögert sich zwar auf 6:25 Uhr, aber schließlich rollt der Bus. Die meiste Zeit der Fahrt verschlafen wir und werden erst wach, als wir auf die Fähre zur Überquerung der Magellanstraße rollen. Das Wetter spielt mit, sodass wir ohne Wartezeit direkt übersetzen können.
Nach einer weiteren Stunde erreichen wir die Grenze. Erst folgt die Ausreise aus Chile, kurz darauf die Einreise nach Argentinien. Da der Doppelstockbus voll besetzt ist und die Beamten sich Zeit lassen, zieht sich das Prozedere etwas hin, doch schließlich sind wir offiziell auf Feuerland angekommen. Die restliche Fahrt zieht sich ordentlich: Nach insgesamt elf Stunden und mit 1,5 Stunden Verspätung erreichen wir um 17:30 Uhr endlich Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Überrascht stellt wir fest, wie extrem sich die Natur hier wandelt – von der totalen Flachheit im Norden hin zu den bewaldeten Bergen und der üppigen Vegetation im Süden Feuerlands.
Vom Terminal laufen wir direkt zum Hostel Cruz del Sur. Die Erwartungen sind hoch, doch die Enttäuschung folgt prompt: Statt der versprochenen Backpacker-Atmosphäre wirkt es eher wie eine reine „Gelddruckmaschine“. Die Zimmer sind für die Bettenanzahl viel zu eng, in der Küche ist kaum Platz zum Stehen und die Schließfächer sind zu klein für unsere Rucksäcke. Zu allem Überfluss springt das Fenster bei jedem Windstoß von selbst auf, und das Personal ist wenig hilfreich. Wir kochen uns noch schnell Nudeln mit Tomatensoße, drehen eine kurze Runde durch die Stadt und fallen dann einfach nur noch müde ins Bett.

Samstag, 24. Januar 2026

Wir stehen um 8:00 Uhr auf, da es nur in einem engen Zeitfenster Frühstück gibt und wir endlich unsere Wäsche waschen müssen. Die Dame des Hauses ist zum Glück sehr nett – der einzige Lichtblick im Hostel – und nimmt unsere Sachen für 12.000 ARS entgegen. Da unsere Merinoshirts nicht in den Trockner sollen, geben wir nur ein Teststück ab; den Rest waschen wir später lieber vorsichtig selbst.
Da sich Steeven in der Enge des Hostels sichtlich unwohl fühlt, übernimmt Alina die Planung für die nächsten Tage. Das heutige Ziel: eine Bootstour zu den Pinguinen auf dem Beagle-Kanal. Unten am Hafen werden wir fündig und buchen für 15:00 Uhr eine Tour. Die Wartezeit nutzen wir effizient: Während Alina im Hostel Mittagessen kocht – was zur Mittagszeit mangels anderer Gäste tatsächlich in Ruhe möglich ist – wäscht Steeven im sonnigen Garten die Merinosachen per Hand.
Bevor es aufs Wasser geht, sichern wir uns am Busparkplatz noch Tickets für den Transfer zur Laguna Esmeralda für morgen. Pünktlich um 14:30 Uhr gehen wir dann auf den Katamaran. Die fünfstündige Fahrt führt uns vorbei an Inseln voller Vögel und Seelöwen bis hin zum berühmten Leuchtturm. Das absolute Highlight wartet nach anderthalb Stunden: die Pinguininsel. Trotz Kälte und Wind sind wir völlig fasziniert von den flinken Magellan- und Eselspinguinen. Es sind unsere ersten wildlebenden Pinguine seit Galapagos 2019 – ein wirklich wunderschöner Moment.
Auf der Rückfahrt zieht sich der Himmel zu, sodass wir uns drinnen aufwärmen. Zurück im Hafen holen wir uns noch ein lokales Bier am Kiosk, lassen den Tag im Hostel entspannt ausklingen und verschwinden dann im Bett.

Sonntag, 25. Januar 2026

Unser Tag beginnt um 7:30 Uhr mit dem Schmieren der Sandwiches, bevor wir nach dem Frühstück zum Busparkplatz aufbrechen. Trotz des morgendlichen Chaos vor Ort klappt der Transport reibungslos, und wir erreichen schnell den Startpunkt der Wanderung zur Laguna Esmeralda. Der etwa neun Kilometer lange Weg ist zwar nicht sonderlich steil, aber durch den extrem matschigen Boden und den morgendlichen Regen sehr anstrengend – jeder Schritt will wohlüberlegt sein.
Die Route führt uns zunächst durch einen mystischen Wald und ein weites Tal, in dem wir einen beeindruckenden Biberdamm bestaunen, bevor es am Fluss entlang zur Lagune geht. Als wir nach etwa 1,5 Stunden ankommen, hängen die Wolken noch tief, doch der Anblick ist bereits wunderschön. Motiviert versuchen wir den weiteren Aufstieg zum Gletscher Ojo del Albino. Der unmarkierte Weg ist zugewuchert und noch matschiger, bis er schließlich in steilen Geröllhängen mündet.
Nach einer kurzen Pause am Fuße des Gletschers steigen wir den ersten Hang hinauf. Ohne Markierungen wird das Gelände immer steiler und unangenehmer. An einer Stelle, die uns zu unsicher erscheint, halten wir inne. Da der Aufstieg noch länger dauern würde und wir mit Blick auf unsere weiteren Reiseziele kein Risiko eingehen wollen, entscheiden wir uns vernünftigerweise für den Abbruch. Die Belohnung erhalten wir trotzdem: Die Sonne bricht durch und wir genießen einen spektakulären Blick auf die nun leuchtende Lagune und den rauschenden Gletscherfluss.
Zurück am See merkt Steeven, dass seine Erkältung schlimmer wird. Während er ein kurzes Nickerchen macht, genießt Alina die Aussicht inmitten des regen Treibens. Der Rückweg zum Shuttle um 15:00 Uhr verläuft dank der Sonne deutlich trockener als der Hinweg. Zurück in Ushuaia buchen wir bei Ivan direkt den Transport für den morgigen Trip in den Nationalpark Tierra del Fuego und lassen uns die beste Route erklären. Den Abend lassen wir entspannt im Hostel-Hof ausklingen: Gemeinsam mit Andrew, einem footballbegeisterten Australier, schauen wir bei ein paar Bier die NFL-Halbfinals, bevor wir erschöpft ins Bett fallen.

Montag, 26. Januar 2026

Der Wecker klingelt um 7:30 Uhr und wir spüren die NFL-Nacht noch ein wenig in den Knochen, aber die Pläne stehen. Nach dem Frühstück und dem Vorbereiten der Sandwiches geht es um 9:00 Uhr mit dem Transport zum Nationalpark Tierra del Fuego. Nachdem wir am Parkeingang den Eintritt bezahlt haben, starten wir am Senda Costera. Dieser acht Kilometer lange Küstenweg überrascht mit einem ständigen Auf und Ab, belohnt uns aber mit wunderschönen Buchten und einer reichen Vogelwelt. An einem sonnigen Strandabschnitt legen wir eine entspannte Frühstückspause ein, bevor der Pfad ins Landesinnere abknickt.
Der Weg führt uns weiter über die Station Alakush zum Lago Acigami. Auf diesem kurzen Stück erleben wir ein wahres Naturschauspiel: Am Flussufer beobachten wir Zebramuster-Gänse mit ihren Küken, Schwarzhalsschwäne mit leuchtend orangen Schnäbeln und einen stattlichen Falken. Das Highlight ist eine Gruppe Wildpferde, die im Wasser steht, sich ein wenig „anzickt“ und schließlich sogar schwimmt – ein fantastischer Moment, den wir mit viel Glück genau im richtigen Zeitfenster erwischen.
Nachdem wir die Aussicht am See genossen haben, wandern wir ein Stück über die staubige Kiesstraße zum Paseo de la Isla. Der Weg führt über kleine Inseln im reißenden Rio Lapataia, wo uns plötzlich sogar eine schwimmende Robbe überrascht. Über den Mirador Laguna Verde erreichen wir schließlich den letzten Abschnitt, den Senda Mirador Lapataia. Hier landet beinahe ein großer Falke direkt neben Alina und beäugt uns neugierig. Gegen 15:00 Uhr erreichen wir die Bahía Lapataia – das offizielle Ende der Ruta 3 und der Panamericana. Von hier aus sind es stolze 17.848 Kilometer bis nach Alaska.
Wir genießen die Natur von den Stegen aus, flüchten dann aber vor den herbeiströmenden Kreuzfahrttouristen ins Gras am Parkplatz. Während wir auf den Rücktransport warten, lassen wir die intensiven letzten Wochen Revue passieren. Wir stellen fest: So schön es war, wir freuen uns nun auf eine Wanderpause, weniger Wind und wärmere Temperaturen. Um 16:00 Uhr holt uns der Bus ab, und zurück im Hostel stehen nur noch Duschen, Essen und Packen auf dem Programm, bevor wir erschöpft ins Bett fallen.

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