El Calafate – unser Tor nach Patagonien

Freitag, 09. Januar 2026

Der Wecker riss uns bereits um 6:00 Uhr aus dem Schlaf. Nach einem hastigen Frühstück und dem letzten Check der Rucksäcke standen wir bereit – und unser Uber war sogar zehn Minuten zu früh da. Am Flughafen in Santiago folgte jedoch der erste kleine Adrenalinschub: Beim Check-in erfuhren wir, dass ohne ein festes Ausreiseticket aus Argentinien gar nichts geht. Da wir in Patagonien eigentlich flexibel mit Bussen über die Grenze wollten, hatten wir noch nichts gebucht. Dank stabilem WLAN konnten wir aber in letzter Sekunde online Tickets reservieren und hielten kurz darauf unsere Boarding-Pässe in den Händen.
In Buenos Aires stand der Wechsel zum Inlandsflug an. Wir waren skeptisch, ob die Stadt unser „Reisetrauma“ von 2019 heilen könnte, aber diesmal lief alles wie am Schnürchen: Immigration, Gepäck und der neue Check-in funktionierten tadellos. Bevor es weiterging, starteten wir die Mission „Bargeld“. In Patagonien ist Cash King und spart oft bares Geld. Nachdem der erste Automat uns noch den Dienst verweigerte, spuckte der zweite am Abfluggate endlich die ersehnten Pesos aus.
Um 15:40 Uhr hoben wir mit der AR1852 Richtung El Calafate ab. Der Anflug auf den winzigen Flughafen war spektakulär. Nach der Landung sicherten wir uns für 14.000 ARS pro Person einen Platz im Shuttle zum Bla Guesthouse. Die Fahrt dauerte eine gefühlte Ewigkeit, da wir gefühlt jedes Hotel der Stadt abklapperten, aber das gab uns Zeit für erste Eindrücke: El Calafate ist faszinierend weitläufig, fast schon unpraktisch auf verschiedenen Ebenen in die Landschaft gewürfelt, versprüht dabei aber einen ganz eigenen, rauen Charme.
Gegen 21:00 Uhr erreichten wir erschöpft unser Hostel. Das 8-Bett-Zimmer war eine kleine Ernüchterung: Keine zusammenhängenden Betten frei, also bezogen wir zwei obere Kojen. Dass es für acht Leute nur sechs Schließfächer gab, war eine Premiere unserer Reisekarriere. Da die Hostelküche um 22:00 Uhr schließt, rannten wir förmlich zum Supermarkt. Just in time standen die ersten Spaghetti mit Tomatensauce auf dem Tisch (Pasta-Counter: 1). Kurios: Dank des Hochsommers und der südlichen Lage war es draußen noch so hell wie am Nachmittag, obwohl unsere Körper eigentlich schon nach „Nachtruhe“ schrien.

Samstag, 10. Januar 2026

Trotz der Geräuschkulisse im Mehrbettzimmer konnten wir bis kurz vor 9:00 Uhr ausschlafen. Den Vormittag widmeten wir einem Spaziergang zum Lago Argentino. In den feuchten Uferregionen beobachteten wir eine unglaubliche Vielfalt an Vögeln und völlig tiefenentspannte Pferde, die im saftigen Grün grasten. Die Bucht von El Calafate lag friedlich vor uns, doch nach einer Stunde merkten wir: Die patagonische Sonne brennt unerbittlich. Ohne Sonnencreme war der Rückzug die einzig kluge Option.
Am Nachmittag wurde es ernst mit der Planung. Wir liefen zum 20 Minuten entfernten Busterminal, um die Transfers für die nächsten Tage zu klären. Unser Learning: Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Wir verglichen alle Anbieter und buchten bei CalTur die Tour zum Perito Moreno (40.000 ARS p.P.). Für die Weiterreise nach El Chaltén wollten wir unbedingt die begehrten Plätze in der ersten Reihe des Oberdecks ergattern – nach viel Herumgefrage klappte es bei MargaTaqsa. Hier spürten wir erstmals den massiven Vorteil von Bargeld: 20 % Rabatt durch Barzahlung!
Da wir schon auf der Anhöhe beim Terminal waren, wollten wir noch „kurz um die Ecke“ auf einen Aussichtspunkt. Aus dem kurzen Abstecher wurde eine über 10 km lange Wanderung. Ein leichter Regenschauer drohte uns zu durchnässen, verzog sich aber zum Glück schnell. Der Abstieg war ein echtes Abenteuer – eine „Komoot-Abkürzung“, die eher einem Ziegenpfad glich. Schließlich landeten wir wieder am Seeufer und kühlten unsere qualmenden Füße im eiskalten Lago Argentino ab.
Der Abend endete, wie der gestrige begann: Spaghetti mit Tomatensauce (Pasta-Counter: 2). Dazu gönnten wir uns eine Flasche Wein für weniger als einen Euro – die Qualität war so gut, dass wir glatt noch eine zweite Flasche nachkaufen mussten. Mit einer frischen argentinischen SIM-Karte in der Tasche und leichtem Weinschwips fielen wir ins Bett. Morgen wartet der Gletscher!

Sonntag, 11. Januar 2026

Um 7:00 Uhr klapperten die Löffel beim Frühstück, damit wir pünktlich um 7:45 Uhr am Terminal sein konnten. Dort lernten wir: In Argentinien zahlt man für fast alles eine extra Gebühr, so auch 4.000 ARS für die Nutzung des Busbahnhofs. Die einstündige Fahrt zum Nationalpark verschlief Steeven fast komplett, um die harten Hostelmatratzen zu vergessen.
Schon bei der Einfahrt in den Park (Eintritt: 45.000 ARS p.P.) raubte uns der Anblick den Atem. Zwischen den dichten Berghängen trieben leuchtend weiße und tiefblaue Eisberge im Wasser. Am Gletscher angekommen, erkundeten wir die verschiedenen Stege. Die Wege aus Metall sind perfekt angelegt und führen über unzählige Aussichtsbalkone. Obwohl viele Touristen vor Ort waren, verlief es sich erstaunlich gut.
Wir legten uns auf die Lauer. Mit gezückten Handys warteten wir auf das berühmte „Kalben“ des Gletschers. Die Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt: Immer wenn wir die Kamera wegsteckten und weiterliefen, hörten wir es hinter uns krachen. Doch auf dem höchsten Punkt der roten Route hatten wir schließlich Glück und konnten einen riesigen Eisblock filmen, der donnernd ins Wasser stürzte. Ein Gänsehautmoment! Den blauen Pfad, der eigentlich mit zwei Stunden ausgeschrieben war, rannten wir in 20 Minuten hinunter, um noch ein paar Fotos am Kanu-Anleger zu schießen, bevor uns der Bus um 16:00 Uhr wieder einsammelte.
Zurück in El Calafate folgte das gewohnte Ritual: Supermarkt, Spaghetti, Tomatensauce (Pasta-Counter: 3). Den Rest des Abends verbrachten wir völlig k.o., aber glücklich beim Football-Schauen im Hostel.

Montag, 12. Januar 2026

Nach den Kilometern der letzten Tage ließen wir es heute ruhig angehen. Erst um 9:00 Uhr gab es Frühstück. Da die Sonne wieder strahlte, wollten wir zu einem Strandabschnitt laufen, den wir am Samstag entdeckt hatten. Kaum aus der Tür, drehten wir jedoch um: Der patagonische Wind pfiff so eisig, dass wir unsere dicken Jacken brauchten. Am See peitschte der Wind die Wellen so hoch, dass wir uns fast wie am Atlantik fühlten – ein raues, wunderschönes Naturschauspiel.
Um 13:35 Uhr nahmen wir den kostenlosen Shuttle zum Glaciarium. Das Museum liegt ein Stück außerhalb und ist architektonisch den Eisschollen nachempfunden. Für 25.000 ARS pro Person lernten wir alles über die Glaziologie und den Entdecker Perito Moreno. Ein echtes Highlight war die Begegnung mit einer lokalen Künstlerin, die gerade ihre Ausstellung aufbaute. Sie erklärte uns ihre faszinierende Technik, bei der sie die Strukturen ihrer Bilder mit ihren Handknöcheln malt.
Nach einem letzten Blick über die Steppe vor dem Museum brachte uns der Shuttle zurück in die Stadt. Heute blieb die Küche im Hostel endlich einmal kalt. Wir hatten genug von Nudeln und kehrten im Restaurant „Elia“ ein, um uns mit einem richtigen Essen für die bevorstehenden Wandertage in El Chaltén zu stärken.
Ein gelungener Abschluss für El Calafate – morgen wartet die Wanderhauptstadt Argentiniens!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: Content is protected !!