Im Schatten der Maoi – Rapa Nui Teil 1

Sonntag, 01. Februar 2026

Heute geht es endlich auf die Osterinsel! Da für Rapa Nui gesonderte Kontrollen am Flughafen gelten, gehen wir auf Nummer sicher und machen uns schon um 8:00 Uhr mit dem Uber auf den Weg. Dank unserer vorab online ausgefüllten Dokumente passieren wir die Kontrollen im Gegensatz zu vielen anderen Reisenden extrem schnell.
Eigentlich soll unser Flieger um 11:25 Uhr abheben, doch wir müssen fast zwei Stunden warten. Das Prozedere hier ist spannend: Da es täglich nur zwei Linienflüge gibt, darf unsere Maschine erst starten, wenn der vorherige Flug die Insel wieder verlassen hat. Gegen 17:00 Uhr landen wir schließlich, passieren die Lebensmittelkontrolle und werden draußen herzlich von einem Mitarbeiter unserer Unterkunft empfangen. Zur Begrüßung gibt es wunderschöne Blumenketten und eine kleine Stadtrundfahrt inklusive hilfreicher Tipps, bevor wir einchecken.
Unsere Unterkunft ist total gemütlich und bietet von der Terrasse einen direkten Blick auf die Wellen, die gegen die Lavaklippen krachen. Um unsere Vorräte aufzustocken, spazieren wir zum zehn Minuten entfernten Supermarkt. Die Preise sind hier wie erwartet deutlich höher als in Santiago – wir sind froh, so viel mitgebracht zu haben. Den Abend lassen wir auf den Bänken direkt an den Klippen ausklingen. Bei einem Glas Rum-Cola beobachten wir das Meer und einen spektakulären Sonnenuntergang, der durch den heutigen Vollmond perfekt abgerundet wird.

Montag, 02. Februar 2026

Den heutigen Tag nutzen wir, um uns zu organisieren und das kleine Örtchen Hanga Roa in Ruhe zu erkunden. Zuerst kontaktieren wir eine Tour-Guide, die uns gestern empfohlen wurde. Da man die spannendsten Moai-Stätten nur mit lokaler Begleitung besichtigen darf, buchen wir bei ihr zwei Touren für die kommenden Tage – ein wichtiger Punkt auf unserer Liste ist damit erledigt.
Danach spazieren wir zum nahegelegenen Hafen Hanga Piko, um die dortigen Tauchcenter unter die Lupe zu nehmen. Während uns das erste Center zu unorganisiert erscheint, überzeugt uns „Buceo Tortuga“ sofort. Trotz kleiner Sprachbarrieren an der Rezeption klappt die Absprache auf Spanisch hervorragend, und wir buchen zwei Tauchgänge. Auf dem anschließenden 20-minütigen Spaziergang entlang der Küste ins Zentrum von Hanga Roa kommen wir aus dem Staunen nicht heraus: Die ersten Statuen, die schroffen Klippen und die gewaltige Brandung hinterlassen einen bleibenden Eindruck.
Zur Abkühlung springen wir in einen natürlichen Pool an der Küste. Beim Schnorcheln entdecken wir viele bunte Fische; die erhofften Schildkröten lassen sich heute allerdings nicht blicken. Als Snack gönnen wir uns in der Stadt eine lokale Ananas, die unglaublich intensiv und lecker schmeckt. Nachdem wir uns noch über Mietpreise für Fahrräder informiert haben, kehren wir zur Unterkunft zurück und entspannen eine Weile bei Meeresrauschen auf den Liegen auf der Terrasse.
Zum krönenden Abschluss des Tages zieht es uns nach Ahu Tahai. Bei den frei zugänglichen Moai-Statuen genießen wir einen traumhaften Sonnenuntergang. Auf dem Weg dorthin schnappen wir in Hanga Vare Vare schon die ersten Rhythmen des anstehenden Festivals auf, da dort fleißig geprobt wird. Mit diesen Eindrücken kehren wir zurück und gehen früh ins Bett.

Dienstag, 03. Februar 2026

Nach einem schnellen Frühstück und dem Vorbereiten der Sandwiches startet um 8:40 Uhr unsere „Taha Tai“-Tour zu den absoluten Highlights der Insel. Unterwegs stellen wir fest: Es gibt hier tatsächlich so unglaublich viele Hühner, wie uns prophezeit wurde.
Unsere Route führt uns zunächst nach Vaihu und Akahanga, wo man die beeindruckenden, leider umgestürzten Moai und die Überreste alter Siedlungen besichtigen kann. Danach folgt das Highlight: Rano Raraku, der „Vulkan der Statuen“, in dessen Steinbruch fast alle Moai der Insel gefertigt wurden und noch heute hunderte unvollendete Giganten aus der Erde ragen. Ganz in der Nähe bewundern wir Ahu Tongariki, die größte Anlage der Insel, auf der 15 majestätische Statuen mit dem Rücken zum Pazifik thronen. Zum Abschluss genießen wir die Idylle von Anakena, einem paradiesischen Palmenstrand, an dem die ersten Siedler landeten und der ebenfalls von einer prachtvollen Ahu-Anlage bewacht wird.
Ein echtes Spektakel erwartet uns am späten Abend: Um 22:00 Uhr beginnt die offizielle Eröffnung des „Tapati Rapa Nui Festivals 2026“. Wir sind rechtzeitig vor Ort und die Atmosphäre ist elektrisierend – es fühlt sich an, als wäre die gesamte Inselbevölkerung samt aller Touristen zusammengekommen. Den Auftakt machen die beiden Familien der Thronanwärterinnen, die in traditioneller Kleidung mit Fackeln, Fahnen und Gesängen einziehen. Da alles auf Rapa Nui moderiert wird, verstehen wir zwar kein Wort, aber die Energie ist auch so greifbar.
Sobald die offizielle Moderation auf der Bühne zu Spanisch wechselt, können wir dem Geschehen besser folgen. Die Reden der Kandidatinnen und der amtierenden Königin sowie die kraftvollen Tanzaufführungen sind tief beeindruckend. Gegen 23:30 Uhr macht sich bei uns jedoch die Müdigkeit der Tagestour bemerkbar. Für den Heimweg wählen wir die beleuchtete Route durch das Wohngebiet – eine Entscheidung, die wir fast bereuen, da uns in der Dunkelheit unzählige Kakerlaken begegnen. Für uns beide definitiv die einzige Schattenseite der Inseltiere. Als wir eine Stunde später im Bett liegen, schallt die Musik des Festivals immer noch leise zu uns herüber.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: Content is protected !!